TL-CUP 2006 - The Story
Wenige Wolken ziehen über den Himmel und angespannte Stille macht sich breit. Die roten Haare der Kleinen wehen sanft im Wind. "Ups !" entweicht es ihr, als ich vorsichtig aber entschlossen meinen linken Arm um ihre Hüften lege, die nur von ihrem hautengen, kurzen schwarzen Kleid bedeckt sind. Phil, der Fotograph vor uns drückt ein paar Mal ab. An der Boxenmauer und auf dem Zielflaggenturm drängen sich einige Zuschauer mit Foto- und Videokameras. Am liebsten würde ich hier schon die Arme hochreißen. Wir habens geschafft. Ein seltsames Gefühl von Anspannung und tiefer innerer Zufriedenheit macht sich in mir breit. Und richtig begreifen kann ich es immer noch nicht ...
Der Weg hierhin war lang. Wenn mir auch zwischenzeitlich Zweifel gekommen sind und ich sowohl Privat als auch Beruflich einiges hab schleifen lassen. Im Nachhinein muß ich sagen: Jede einzelne Minute am Rechner, jedes Telefonat mit Heidi und jede Minute Schrauberei, um meinen Eisenhaufen bis zu diesem Punkt am Leben zu halten hat sich gelohnt. Die Zeit von der Ausschreibung und dem Eintreffen der ersten Anzahlungen für die Teilnahmegebühr bis hierhin verging dann doch relativ schnell. Zwischendurch noch ein paar Schreckensmeldungen von Stürzen einiger Teilnehmer bei voraus gegangenen Veranstaltungen und einige kurzfristige Absagen. Doch letztendlich kann man auf unser Starterfeld mehr als Stolz sein. Wovor Hersteller, Importeure und Motorsportverbände in letzter Zeit immer mehr kapitulieren haben wir mit unserem kleinen, aber feinen Forum und Dannhoff auf die Beine gestellt: Unser erster TL-CUP am Eurospeedway Lausitzring.
Selbst Tage zuvor wurde es noch eng. Steffen hatte noch keine Teile vom Lackierer, Mika noch nicht mal den Motor in seinem Rahmen und trotz meinem gut gemeinten Rat nix mehr auf die letzte Minute zu schieben fehlte sowohl der Spritzwasserschutz an meinem vorderen Zylinder als auch die neue Bremsflüssigkeit. Reifen waren zwar da, aber noch nicht aufgezogen. Mein Schwager Klaas fand glücklicherweise die Zeit mitzukommen und stellte sich als Mechaniker zur Verfügung. Am Donnerstag morgen dann Mika samt Moped in Heimerzheim noch aufgeladen und ab Richtung Osten. Kurz vor Eisenach rauschen Wolle und Angie mit Planlos im Schlepptau hupend vorbei und sind nach den insgesamt 750 km noch vor uns da.
Der Hänger war dank der Hilfe von Mika und Klaas schnell entladen. Die Boxen füllen sich. Kühlschrank, Bierzeltgarnitur und Schwenkgrill, dazu noch reichlich Biervorräte ..... mehr braucht man für die Rennstrecke nicht!
Angie hilft netterweise beim Kassieren der Boxenmiete. Vielleicht hätte ich die Teilnehmerliste mitbringen sollen, klappt aber auch so. Anschließend den Grill angeworfen. Auf Alex und Len hatten aus Groningen/Rotterdam wohl die weiteste Anreise, zwei Gäste auf die ich besonders gespannt war. Alex mit TLR hatte ich im April beim Chaos-Langstreckenrennen in Zolder getroffen. Wir kamen zufällig ins Gespräch und als ich Ihm vom TL-Cup erzählte bekam er gleich leuchtende Augen. Er sagte mir prompt die Teilnahme zu und wenige Tage später war der Gesamtbetrag auf meinem Konto eingegangen! Das Leuchten in seinen Augen ist im Laufe des Wochenendes nicht erloschen und gestern in Zolder konnte ich es noch immer funkeln sehen. Für Len sollte es dagegen genau andersherum laufen.
Die Wettervorhersage bestätigte sich in der Nacht und am nächsten Morgen war alles naß, also doch die richtigen Reifen draufgelassen :?: Nicht ganz. Im ersten Turn meiner Gruppe war bereits fast alles trocken, also doch vorne den alten Michelin Pilot Slick und hinten Pirelli Diabolo Superbike Slick SC2. Nicht die optimale Kombination, da der Michelin vorne ordentlich Unruhe in Form von Lenkerschlagen bringt, aber für´s Training muß das reichen. Bis auf Frank, der bereits im ersten Turn auf einer feuchten Stelle ausrutschte sollte der Tag ohne Zwischenfälle verlaufen. Bis auf die Sache mit Len´s Fireblade. Aufgrund von Getriebeproblemen kam er bis zum Mittag bereits kaum zum Fahren. Sämtliche Einstellungen an Kupplung und Schaltautomat halfen nichts. Nachdem die Hälfte aller Gänge raussprangen stand fest ... Getriebeschaden. Da in der Kürze der Zeit an Teilen für die Reparatur nicht zu denken war, bedeutete dies das Aus für ihn!
Zwischendurch hätte ich beinah die Sache mit der psychologischen Beeinflussung potentieller Konkurrenten vergessen. "Du Steffen, willst Du wirklich Deine TLS hier in der Box stehen lassen? Draußen im Fahrerlager fummelt wenigsten keiner dran rum ... !"
Über den Tag hinweg nur noch ein paar Linien getestet und vor allem die Konkurrenz beobachtet. Wolle fuhr sich erstaunlich schnell warm und knackt bereits am ersten Tag die 2 Minuten! Das kann ja lustig werden. Die TLR von Alex ist auf den Geraden unschlagbar. Am Ende derselben ist Ausbremsen aufgrund des Abstand nur mit "Augen zu und durch" möglich. Durchs Infield wackelt der Entenpopo nicht ganz so flüssig und nach eingehender Studie tun sich hier tatsächlich ein paar Stellen zu reinstechen auf. Steffen hingegen schlingerte vollkommen hilflos um den Kurs und konnte einem irgendwie Leid tun. Gegen Mittag fasste ich mir dann ein Herz, setzte mich zu ihm vor seinen Wohnwagen und erklärte ihm anhand der Streckenskizze im SBK-WM-Flyer die Ideallinie. Obwohl er immer noch irgendwo bei 2:XX rumlümmelte, sah das bei ihm anschließend schon besser aus. Man hilft ja gerne J
Trotz zufällig vergessenem Transponder, blieb meine 1:59,5 nicht unentdeckt, da Steffens Frau scheinbar nicht nur seine Rundenzeiten per Hand mitstoppte!
Kurz vorm freien Fahren entriß ich meinem Mechaniker Klaas die K4, der diese entgegen seiner zugedachten Rolle bereits den ganzen Tag für erste Gehversuche auf der Rennstrecke mißbrauchte. Mika, bereits im zweiten Turn seinem Instruktor ausgebüchst, bat um ein paar gemeinsame Runden. Nach zwei Kurven bereits der erste Adrenalinschub. Mika steht mit kalten Reifen ziemlich quer und fängt sich kurz vorm Highsider noch ab... puh. Trotz ausdrücklicher Warnung besteht er auf dem alten Pilot Sport vorne, meinem halb abgefahrenen Highsider-PP hinten (erster Kommentar: Der ist ja neu!) und weigert sich auch am 2. Tag beharrlich die Reifen zu wechseln. Der Umstieg auf die K4 ist zwar inzwischen Routine, aber trotzdem nicht einfach sich beim Vorausfahren dem Rythmus der TL anzupassen. Jedenfalls kann er seine Zeit noch etwas drücken und spaßig ist das Fahren ohne Gruppeneinteilung allemal. Dabei fällt mir eine weinrote TLS auf mit der wir einige Runden drehen und die mir im späteren Rennen nochmal (unangenehm) auffallen sollte.
"Du Steffen, Bremssattel vorne rechts ... sieht´n bißchen locker aus!"
Der Abend verläuft feucht fröhlich und wenn´s nach den Biervorräten ginge könnten wir´s ´ne ganze Woche hier aushalten. Eine Palette Gösser Pils von Helmut aus Österreich, ´ne Kiste Bit von Mad, 3x5L Warsteiner-Fäßchen von Mika und mir, div. Bacardi-Flaschen von Wolle+Angie ... :roll: ... irgendwann hab ich dann den Überblick verloren. Hatte da nicht noch jemand ´ne Kiste Ossi-Pils versprochen ?
Für Samstag/Sonntag hatten sich glücklicherweise ein paar Besucher angekündigt. Die werden ja wohl ordentlich Durst haben ...! Zwischendurch mit Helmut abseits vom Trubel der Box noch ein paar Gösser-Dosen geschlabbert. Dann wie immer zu spät und mit vielleicht einer grünen Dose zu viel ins Bett, die am nächsten Morgen durch ein oder zwei Aspirin neutralisiert wurden.
"Ach Steffen, bevor ich´s vergesse ... Achsmutter hinten ...!"
Bei all der Sorge den Alkoholüberfluß unters Volk zu bringen hatte ich die Reifenwahl für´s Qualifying irgenwie vergessen. Also Samstag Morgens zwischendurch die Metzeler Spezial-Backmischung K0/K1 aufgezogen ... oder besser gesagt, sich daran versucht. Der Vorderreifen will irgenwie nicht. "Gib her das Ding ich kanns net mitansehen", erbarmt sich Wolle irgenwann. Sekunden später sitzt das Ding wo´s hingehört. In der 2. Quali-Session meldet der Laptimer 1:58,7. Das muß für die 1.Reihe reichen. Die schnellste Zeit fährt Gaststarter Peter Hallinger auf GSX-R1000 mit 1:54, der jedoch das Rennen in der entsprechenden Dannhoff-Klasse vorzieht. Eine Sekunde hinter mir Steffen und mit Zehntel-Abstand Wolle, der leider nicht mehr ganz an seine Zeit vom 1.Tag unter 2 Minuten rankommt. Dahinter Andre mit der SV, Mad, Alex, Gaststarter Christian auf ZX-6, Bierschneider, MiG, Mike, Mika, Jacek, Peter Henrichs (trotz vorherigem Sturz!), Knut, Batho, Red Pat, Nico, Terni, Planlos, Chris (mit dem SCHÖNEN Heck auf TLR ) und last but not least Helmut mit der matt-schwärzesten TL des gesamten Feldes.
Angie prophezeit: "Über eine Sekunde vor dem Rest, das Ding ist doch wohl gelaufen ...". Ich schüttele den Kopf: "Den Start vergeige ich immer und wenn ich dann irgendwo festhänge ...". Das will aber schon niemand mehr hören. Außerdem bin ich noch nie vorneweg gestartet, da brauchen nur mal die Nerven verrückt spielen ... und mit der TL dies Jahr noch gar nicht ... vielleicht mal vorher im Fahrerlager heimlich üben. Der Vierzylinder packt da untenrum nicht ganz so bissig zu und selbst das bekomm ich meist nicht gebacken. Innerlich bereite ich mich schon darauf vor, daß beim Start der Eine oder Andere vorbeizieht L
Den letzten Turn vorm Start lasse ich ausfallen. Wer weiß, ob die weichen Mischungen überhaupt die 10 Runden durchstehen? Stattdessen lieber im Liegestuhl relaxen und Kräfte sammeln.
"Hat da nicht eben jemand bei der 27 an der Gabeldruckstufe rumgefummelt!"
Pünktlich 13:40 Uhr geht´s los. Alle stehen pünktlich zum Ausrollen am Boxenausgang und irgendwie dauert das ewig bis es heißt: "Ab in die Startaufstellung". Dank Einweisung findet jeder sofort seinen Platz und während ich Karsten noch erkläre, daß Peter´s Platz leer bleibt, steht plötzlich dieses rotblonde Gerät neben mir ... "Huhu, ich wünsch Dir viel Glück im Rennen". "Danke, aber um ehrlich zu sein steh ich nur deshalb hier in der ersten Reihe, weil ich mir DICH an meine Seite gewünscht habe !"

Die Farbe ihrer Backen ..., ähm ... ich meine Wangen, gleicht sich dem Ton ihrer Haarpracht an, während mein Carbon-Tankpad irgendwie zu drücken beginnt. "Was hältst Du davon, wenn Du mit Deinen Freundinnen einfach heute Abend bei uns in der Box vorbeiguckst und wir gemeinsam den Schampus für meinen ersten Platz leermachen?"
Ihr Blick schweift über das froschgrüne, leicht angekratzte TL-Modell neben mir, Mad´s Isolierband-Startnummer und Alex´ gelben Joey-Dunlop-Helm aus den Anfängen des Motorsports. Sie schaut mich skeptisch aus ihren glasklaren, türkisgrünen Augen an, was den Abstand zwischen Tankpad und Kombihose weiter verringert. "Ja, ich weiß. Die Jungs sehen ein wenig mitgenommen aus, aber vorgestern haben sie fast alle noch geduscht." Ihre Hüften fühlen sich fast so gut an wie die meiner TLS, während die Heckansicht selbige fast übertrifft 8) .

Ich spüre, daß das "Ja, klar. Super Idee!" gerade dabei ist über ihre purpurfarbenen Lippen zu sprudeln, wobei der Tank soeben seine zweite Delle, diesmal von hinten, bekommt. -Plopp- Sie zieht entschlossen die Kappe von ihren Lippenstift und als sie gerade ansetzt um ihre Handy-Nr. auf meiner Verkleidungsscheibe zu hinterlassen, reißt Karsten seine rote Fahne hoch und ruft: "Achtung, alle Grid-Girls hinter die Boxenmauer!", womit unsere kurze, aber heftige Romanze ein jähes Ende findet ...
"Nein, nicht Moment, sie muß noch ...".
Zu spät!!! Ihr Schirm klappt zusammen und das Klacken ihrer hohen Absätze untermalt den Schwung ihrer Taille, als sie gen Boxenmauer entschwindet. "Den Schirm kannst Du bei dem grünen Motorrad in einen der zwei Alu-Schirmständer da hinten stecken lassen. Nur für den Fall, daß es während des Rennen anfängt zu regnen ...", rufe ich ihr noch hinterher. Aber zu spät. Mit hartem Schlag fällt das Tor in der Boxenmauer hinter ihr und den anderen Mädels ins Schloß, wodurch mein Tankpad wieder abschwillt.
Unsere Blicke treffen sich ein letztes Mal, als sie mir aus der Ferne schüchtern zuwinkt. Würde ich sie jemals wieder sehen!?!
Das Rennen läuft zunächst wie geplant. Am Start ein paar Plätzchen verloren - in der ersten Runde die Frühstarter wieder überholt - dann gepokert und in der letzten Schikane vor Start-Ziel einen Tick später gebremst und vorbei - anschließend noch in der letzten Links Eingangs der Geraden noch innen dichtgemacht und dann bis zur Ziellinie ...
... Vierzylinder, wo kommt dieses Brummen ... der Handywecker rattert und holt mich um halb 7 aus den schönsten Träumen ... L
Naja, die Realität sah ein wenig anders aus:

Die Schnecken im kleinen Schwarzen waren noch nicht ganz von der Strecke und während ich mit meinen Gedanken noch nicht ganz wieder bei der Sache war ging diese verfluchte rote Ampel irgendwie viel zu schnell aus. Während ich auf den ersten Metern viel zu plötzlich die Kupplung kommen lasse und mit dem gen Himmel flüchtenden Vorderrad kämpfe ziehen bereits die Ersten an mir vorbei. Bis zur Hälfte der Geraden höre ich auf zu zählen. Insgesamt müssen das zwei komplette Startreihen gewesen sein, jedenfalls waren da Heckansichten dabei die ich vorher noch nie gesehen hatte!

He Moment, wartet auf mich ... seid Ihr alle bescheuert! Das Rennen dauert 10 Runden, das gewinnt man nicht in der ersten Kurve! Mir wollt ja niemand glauben, als ich von Startschwuchtelei gesprochen habe, aber sowas muß ja nun wirklich nicht sein. Selbst Ausbremsen in der ersten Kurve wie im legendären Regen-Seriensportrennen am NBR ist hier nicht drin ... plötzlich ist innen die Linie zu und ich muß über die innere Streckenbegrenzung räubern. Das kann ja lustig werden! Da ist sie plötzlich wieder, diese weinrote TLS mit MiG obendrauf. Im ersten Infield richtig flott. Erst auf der Geraden komme ich vorbei und langsam wird mir klar das das hier in Arbeit ausartet. Es dauert eine halbe Ewigkeit bis ich mich nach zwei Runden durchs halbe Feld geackert habe und vor mir sowas wie die Spitze erkennen kann. Ganz vorne Steffen in RAL 6002, dann Alex auf Fishbone-TLR (34), dahinter Wolle (13).

Wolle wäre vor einem Jahr noch kein Problem gewesen. Inzwischen sieht das anders aus. Hier muß alles passen, einen Tick früher ans Gas, dann Dank gleicher Leistung im Windschatten angesaugt und wieder und sich auf gleiche Höhe gebremst. Im Augenwinkel die wilde 13 beobachten und zwischendurch nochmal kurz die Bremse lupfen, dabei den Einlenkpunkt nicht aus den Augen verlieren ... paßt ... paßt nicht ... paßt ... und vorbei.
Alex´ Fahrstil ist unangenehmer. Die TLR geht auf den Geraden wie der Teufel, da hilft nichtmal Windschatten und danach ist Ausbremsen nur mit Brechstange drin. Hier machen sich die Spionagerunden im Training bezahlt. Gucken kost´ nix und macht sich irgendwann bezahlt ...!
Ranfahren ist eine Sache, aber mit weniger Leistung vorbei eine andere. Es gab genau zwei Stellen bei denen die Tür im Training kurz offen war. Einmal vor der 180° Links im 2. Infield. Hier holt der Entenpopo ein wenig zu weit vorher aus und mit Zwischengas läßt sich hier Reinstechen. Die andere Variante ... vor der Schikane Gas stehen lassen und außen vorbei, statt innen Ausbremsen. Nun ja, Training ist eine Sache aber hier im Rennen :roll: . Nach zwei Fehlversuchen wird das Nervenkostum dünner und so lange sind 10 Runden nun auch wieder nicht. Also im ersten Infield am Ende rechts herum reingebremst und sich breitgemacht ... wie war das? Manchmal muß man Schwein sein ... J

Leider war ich in der folgenden rechts wieder zu nett und hab die Tür vor dem Buckel einen Tick zu weit offen gelassen. Mit folgendem Resultat ... :

Aha, er zuckt noch. Warum gibt er nicht einfach auf und fährt versehentlich ins Kiesbett? Ist sowieso nur eine Frage der Zeit und Steffen vorne ist der lachende Dritte. Variante Nummer zwei hat dann doch irgendwann funktioniert und nach gefühlten 20 Runden ergab sich folgendes Bild ...

Endlich freie Fahrt und Steffen ist noch in Reichweite ... die Zeit zum Ranfahren müßte eigentlich noch reichen. Dann plötzlich Rennabruch, Steffen hebt die Hand und ich gebe nochmal kurz Gas. Er muß ja schließlich nicht wissen, daß ich so lange gebraucht habe um mich durchs Feld zu kämpfen J
Ich tue also einfach so als hätte ich ihm direkt im Nacken gesessen, als er sich kurz umschaut. Red Pat hat´s Eingangs Start-Ziel per Highsider abgeworfen und als wir gerade vorbei in die Boxengasse rollen humpelt er noch weg. Zum Glück scheint ihm nix weiter zu fehlen.
Also wieder an der Boxenausfahrt aufstellen. Dasselbe nochmal von vorne über die verbleibenden 5 Runden……… NNNEEEIIINNN!!!!
Oder vielleicht gar nicht so schlecht nach dem vermurksten ersten Start. Kann nur noch besser werden. Also nochmal Aufstellen und ohne Warm-Up-Runde starten. Geil, dann darf ich vielleicht nochmal an meinem Grid-Girl rumfingern und sie hat nochmal die Chance ihre Telefonnummer ...
Nix da, die Mädels bleiben hinter der Boxenmauer. Was soll´s ... die Körbchengröße war eh noch ausbaufähig! Somit verläuft der 2.Start ziemlich unromantisch, aber im Grunde genommen spitzenmäßig. Die Front bleibt unten und ich verliere nur 7 statt 8 Plätze ...
Ihr seid alle bekloppt. Das kann nur der Restalkohol sein. Wozu bin ich eigentlich das Qualifying gefahren und hab mir die 1:58,7 aus der Gesäßfalte gedrückt? Wieso stehe ich hier auf Pole, wenn das sonst keiner registriert? Da kann ich beim nächsten Mal gleich aus der Boxengasse starten ... ähm nee, besser nicht, da gibts keine Grid-Girls. Aber vielleicht würde mich Angie trösten???
Zurück zum Rennen. Nachdem die üblichen Verdächtigen wieder großzügig vorbei gelassen habe, beginnt das Spiel von vorne. Nur eben mit ein paar Runden weniger Zeit um bis an die Spitze zu fahren. Nach unzähligen Runden hält die Weltpresse folgenden Geschichtsträchtigen Moment fest.

(der kleine Schatten gehört zu Alex)
Steffen ist zwar ein wenig weiter entfernt, aber nicht unerreichbar. Mit ein bißchen Glück und bei konstanter Fahrweise geht da vielleicht noch was. Das Problem ist nur, daß der Laptimer nicht unter 1:59 will und dieses häßliche laubgrüne Ding nicht näher kommt. In der letzten Runde kann ich ihn eben noch am Ende der Geraden erkennen. Steffen kann sich nur noch selber schlagen. Als ich mich kurz umdrehe sehe ich Alex mit Gaststarter Christian und Wolle im Nacken ca. 100m hinter mir. Also nur noch nach Hause fahren das Ganze. Die letzte Runde schlägt promt mit einer 2:01,2 zu Buche und die Verfolger kommen tatsächlich nochmal ran. Aber geschafft ...
Es dauert eine Weile ehe ich Steffen auf der 2. Geraden die Hand schütteln kann. Wolle deutet mir an, daß er 4. geworden ist und sich die ZX-6 noch zwischen ihn und Alex geschoben hat.

Für den 2. Platz darf man dann auch beide Daumen hochreißen J
Der Blick auf die Rundenzeiten beweist, dass es zwischen dem 2. und 5. Platz nur noch um Zehntel geht. Steffen sticht mit sämtlichen Rundenzeiten und einer 1:55,9 zum Schluß heraus. Selbst wenn ich nach dem Start vorne gewesen wäre (was einem Sechser im Lotto gleich kommt) wäre da nix zu machen gewesen. Gratulation an Steffen. Der erste TL-CUP Sprint hat einen würdigen Sieger gefunden. Woher die 3-4 Sekunden weniger im Vergleich zur Trainingszeit gekommen sind, bleibt sein Geheimnis. Ich tippe da auf Lachgaseinspritzung. Wenn man seinem Grinsen glaubt muß zumindest unterm Helm davon was angekommen sein.
Die Versammlung nach dem Sprintrennen in der Boxengasse dauerte dann auch noch geraume Zeit. Händeschütteln, Schulterklopfen und vor allem tief durchatmen ...
Das offizielle Ergebnis:
1. Steffen TLS
2. Gunna TLS
3. Alex Bloemsma TLR
Christian Richinger ZX6 (ohne Wertung)
4. Wolle TLS
5. MiG TLS
6. Andre Godau SV1000
7. Cowman TLR
8. Bierschneider TLS
9. Mike Pilawski TLR
10. Mika TLS
11. Matze TLS
12. TL1000Junkie TLS
13. Knut TLS
14. FOX996 TLS
15. xTheCrowx TLR
Terni CBR600 (ohne Wertung)
16. Bartho TLR
17. Helmut TLS
18. Planlos TLS

Der gemütliche Teil der Veranstaltung war genauso interessant wie das Rennen spannend war.

Zeit mit dem Freibier anzustoßen und meinen Champus unter (und über) die Teilnehmer in der Box, sowie Chris´ Laptop zu verteilen. Matten, Heinrich und die anderen Besucher helfen bei der Vernichtung des überflüssigen Alkohols. Als dann zu fortgeschrittener Stunde die Augen immer schwerer und die Aussprache undeutlicher wird, drückt mir Angie völlig unerwartet und gegen meinen Willem ein großes Glas mit dunkelbrauner Flüssigkeit in die Hand. "Der geht noch ... !", meint sie energisch und da man Frauen ab einer gewissen Uhrzeit nicht mehr widersprechen soll ...
"Nein, nicht ...", tönt es aus Steffens Ecke, der sich scheinbar rührend, aber völlig unbegründet Sorgen um seinen Teamkollegen macht. Im Gegenteil: Gerüchten zur Folge wurde Hr. Kirsch am selben Abend noch mit ähnlicher Menge selbiger Flüssigkeit in der Hand gesichtet.
Der nächste Morgen begann ausnahmsweise mal vollkommen ... AUSGESCHLAFEN. Nachdem ich die letzten beiden Nächte nicht richtig durchschlafen konnte fühlte ich mich entgegen aller Erwartungen in körperlich bester Verfassung (die Aspirin plus C war nur prophylaktisch). Nachdem mein Vertrauen in die weichen Metzeler Racetec nach einigen Rutschern im Sprint gesunken war, war es ander Zeit mal was Neues auszuprobieren. Bridgestone Slicks. Vorne medium hinten hart, da ich zu faul war zwischen den Turns im Langsstreckenrennen zu wechseln. Morgens im Training die Dinger bzgl. Fahrwerkseinstellung kurz getestet. Naja, nicht sonderlich handlich, aber gripmäßig zufriedenstellend. Steffen indes verzichtet auf´s Training und spart Kräfte für´s Rennen. Die Zahl der TL-Teams war derweilen leider durch den Ausfall von Red Pat und Len geschrumpft. Bartho zeigte leichte Anzeichen von körperlicher Erschöpfung und verzichtete dankend. Übrig blieben Alex+André, Cowman+MiG, Knut+Helmut, sowie Steffen+Gunna. Mike P. und Kumpel Peter auf GSX-R starten als gemischtes Team
Unsere Taktik war einfach und genial ... Tanken bis es unten wieder rausläuft und Fahren bis der Arzt kommt. Mein Teampartner war von der Idee zunächst nicht so begeistert. Den Computerberechnungen meines Renningenieurs Klaas zur Folge sollte es bei 2 Stunden Fahrzeit für jeden mit je zwei Tankfüllungen gegessen sein. Macht also zweimal je eine Stunde Fahrzeit mit je einer Tankfüllung für jeden. Steffen äußert bei der Fahrerbesprechung Bedenken, da er bei seinen bisherigen Langstreckenrennen noch nie so lange Turns gefahren sei. Der Hinweis, daß wir TLS- und nicht TLR-Fahrer sind überzeugt ihn jedoch schließlich. Sandra, seiner Managerin, bleiben Zweifel die, wie sich später herausstellen sollte, nicht ganz unbegründet waren. Steffen übernahm die Zieldurchfahrt, ich den Le-Mans-Start. Konnte also (eigentlich) nix mehr schiefgehen.
Die Startreihenfolge erfolgte formlos, da es bei 4 Stunden Fahrzeit auf ein paar Meter nicht ankommt. Als ich in die Aufwärmrunde rolle hat sich Klaas bereits am Start irgendwo in der Mitte postiert. Ich stelle das Moped ab, er hält das Heck. Zündung aus und ab auf die andere Streckenseite. Ich weise meinen Startnachbarn nochmal freundlich aber nachdrücklich darauf hin, daß sein Moped rechts er aber links von mir steht. "Das könnte eng werden!"

Nachdem sich alle sortiert haben gibt Heidi das Zeichen mit der Flagge. Ich stürme auf Klaas und die TLS zu, schwinge mich drauf ... zünde ... und ab geht´s. Ein Bombenstart ... in der Mitte der knapp 30 Teams gestartet biege ich unter den ersten 10 in die erste Kurve. In den ersten Runden kommen noch ein paar Vierzylinder vorbei, dann hat sich das Feld sortiert und meinereiner hat relativ schnell seinen Rhytmus gefunden. Dann plötzlich Rennabruch.
Jemand hat Ende der Geraden Öl verloren und einer ist bereits ausgerutscht. In der Boxengasse nochmal auftanken und dann das Ganze nochmal von vorne. Der zweite Start klappt zum Glück ähnlich gut. Um mir die Kräfte einzuteilen, beginne ich mit Zeiten um die 2 Minuten. Ich hänge mich hinter eine dunkle GSX-R1000, die zwar einen anderen Rhytmus als ich, jedoch nur minimal schnellere Rundenzeiten fährt. Das perfekte Zugpferd :wink: . Dank Angie´s Wunderdrink fühle ich mich nach einer halben Stunde immer noch topfit. Die TL läuft wie ein Uhrwerk und die Bridgestones pappen ordentlich. Na gut probieren wir´s und drücken die Zeiten auf konstante 1:59. Der Verkehr und die Überrundungen halten sich in Grenzen. Die Schnelleren kommen ordentlich vorbei und ich schließe langsam aber sicher auf die K4 auf. Die Rundenzeiten nähern sich der 1:58 und der leerer werdende Tank macht sich bemerkbar. Dann erblicke ich Alex vor mir. Eingangs der Geraden kann ich noch aufschließen und wir blicken uns gegenseitig in die Augen ... Momente, die man nie vergißt. Er zieht die Augenbrauen hoch und grinst. Der kurze Abstand reicht ihn am Ende der Geraden noch auszubremsen. Nachdem ich mich noch ein paar mal umdrehe kann ich ihn irgendwann nicht mehr erkennen. Das müßte also eine Überrundung gewesen sein. Meine Rundenzeiten purzeln weiter bis irgendwann eine hohe 1:57,XX auf dem Laptimer steht. Fast eine Sekunde schneller als im Qualifying und im Sprintrennen ...

Mit der blinkenden Tankanzeige wie abgesprochen nach den Handzeichen nach drei Runden in die Box. Der Wechsel klappt optimal und wir liegen auf dem siebten Platz im Gesamtklassement und sind schnellstes TL-Team. Dank zahlreicher hilfreicher Hände in der Box brauche ich mich um nix zu kümmern. Klaas versorgt das Moped, Angie reicht mir (diesmal anti-alkoholische) kalte Wunderdrinks und nach einer halben Stunde im Liegestuhl fühle ich mich dank der Pflege und sinkendem Adrenalinpegel wieder wie neu geboren. Sandra vermeldet von der Boxenmauer ähnliche Rundenzeiten. Leider nicht ganz die aus´m Sprint, aber immerhin. Nebenan werden Alex und André, sowie Knut und Helmut von den anderen betreut. Cowman und MiG haben sich weiter hinten in der Boxengasse postiert. Das Wetter hält ... es bleibt trocken und die Regenreifen auf dem Hänger.
Nach fast einer Stunde kommt Steffen rein. Der Wechsel klappt problemlos. Nachdem mich Wolle auf das Kühlwasser unter meiner TL nach abstellen in der Boxengasse aufmerksam gemacht hat, beobachte ich in den ersten Runden den Ausgleichsbehälter und die Temperatur. Bis auf die Tatsache, dass der Pegel nicht mehr sinkt sieht alles normal aus. Sie wird doch wohl nicht so kurz vor Schluß ...
Bei freier Bahn lassen sich immer noch Zeiten um die 1:59 realisieren und nach kurzer Zeit noch mal ein Déja-vu mit Alex. Selbe Stelle, nur reicht es diesmal nicht zum Ausbremsen Ende Start-Ziel. Müßte rein rechnerisch derselbe Abstand wie beim ersten Überholmanöver sein, also gut eine Runde. Die Strategie der Konkurrenz ist jedoch mit kürzeren Turns eine andere, wie sich in der Boxengasse beobachten ließ. Also nix anbrennen lassen und den Vorsprung nach Hause fahren. Nach ein paar Runden ist Alex außer Sichtweite und kann zum Glück nicht folgen. Die Bridgestones kleben immer noch und sahen nach dem ersten Turn aus wie´n Babapopo ... so gehört das. Für´s Langstreckenrennen in der Mischungskombination optimal passend zum Fahrwerk meiner TL. Und weil´s so schön ist nach dem Einsetzen der blinkenden Tankanzeige einfach noch ein bisschen länger draußen geblieben. Suboptimal, wie sich nach einem kurzen Stottern beim Rausbeschleunigen auf Start-Ziel herausstellt. Ups, nicht doch. Eine Runde ganz vorsichtig und dann ... naja, leider erst zwei der verabredeten drei Runden um. Also die zweite schön langsam, dann passt das schon irgendwie ... zumindest beihnah ...
Ich versuche Klaas bereits Eingangs der Boxengasse durch Winken auf mich aufmerksam zu machen. Steffen ist auch fast fertig, als ich neben ihm stoppe. Soeben noch mal gut gegangen. Immer diese verfluchte Tankanzeige. In OSL beinahe mit der K4 liegen geblieben und jetzt wieder mit dem letzten Tropfen in die Box gerollt. Die Tanks sind einfach zu klein, das lässt sich über den Winter sicher noch optimieren.
Meine zweite Regenerationsphase dauert zwar etwas länger, aber im Prinzip könnt´ ich noch mal. Also sicherheitshalber noch mal Auftanken, falls Steffen ...
„Wie? Rundenzeiten über zwei Minuten?“. Sandra deutet mit Sorgenfalten auf der Stirn auf ihre Stoppuhr. Tatsächlich, mein Handy-Stopper bestätigt ungewohnt hohe Ziffern hinter der 2. Er wird doch wohl nicht ... oder die Reifen. Hat der etwa noch die halb aufgerissenen Dinger von gestern drauf? Wie lange ist eigentlich noch? In der Boxengasse herrscht Unklarheit über die angehängte Zeit nach der Unterbrechung. Lieber noch mal zurück, falls Steffen doch noch mal reinkommt. Was macht eigentlich die Konkurrenz?
Dann ist plötzlich doch Schluß und während wir noch über der Boxenmauer Ausschau halten, rollt Steffen oder sagen wir besser, das was von meinem Teampartner noch übrig ist, vor die Box. Bevor ich Ihm auf die Schulter klopfen kann, sackt er auf dem Tank zusammen ... unter seinem Helm lässt sich nur noch ein leises Wimmern vernehmen ... unklare Wortfetzen dringen durch´s halb geöffnete Visier ... „Aua ... meine Schulter ... die letzten Runden ... fertig, ... der Hinterreifen ...“ Nana, sowas macht sich aber gar nicht gut bei den Vertragsverhandlungen für´s nächste Jahr ...
„Du, Klaas. Ist das Steffen, der den Schlußturn gefahren ist, also ich meine der, der im Sprint noch mit Zeiten um 1:56 unterwegs war ... oder welcher Jammerlappen hat sich da seine Kombi übergestreift.“ Die Gratulation hat er wahrscheinlich gar nicht mehr mitbekommen. Jedenfalls dauert es eine Weile bis aus dem jammernden Häufchen Elend wieder Hr. Steffen K. aus L. wurde. Mika kommt von der Zeitnahme zurück und bringt die erlösende Nachricht. Wir sind Erster in der TL-CUP Langstreckenwertung mit zwei Runden Vorsprung ... und nicht, daß da ein falscher Eindruck aufkommt: Steffen ist ein richtig zuverlässiger Teampartner!
1. Steffen und Gunna (TLS/TLS)
2. Alex und André (TLR/SV1000)
3. MiG und Cowman (TLS/TLR)
4. Knut und Helmut (TLS/TLS)
Im der Gesamtwertung reicht es für uns noch zum 9. Platz ... genau 1:38 vor Hallinger/Pilawski auf GSX-R/TLR.

Bleibt nur noch sich bei allen für dieses einzigartige, aber hoffentlich nicht einmalige Erlebnis zu bedanken. Besonders beim Bikeroffice Bingen, dem Sponsor für die Pokale und vielleicht sieht man sich ja 2007 wieder wenn es heißt ...
TL-CUP 2007 - MotoGP is nix dagegen!
Vielen Dank an Gunna für diese SUPER geschriebenen Bericht!